Provokante Werbung diskriminiert Werber !?

"Früher gab es hier ehrliche Arbeiter. Jetzt gibt es Werber." Die Entscheidung im Werberat war einstimmig. Das müssen Werber aushalten! Aber wie weit ist es tatsächlich mit der Ehrlichkeit her?

Wo bleibt die Ehrlichkeit?

Es geht um ein Plakat von Fernet Branca, mit der Aufschrift: "Früher gab es hier ehrliche Arbeiter. Jetzt gibt es Werber." Das treibt gewisse Werber zur Weißglut und dazu sich beim Deutschen Werberat zu beschweren.

Provokante Ironie. Fehlende Selbstironie

Die Entscheidung im Werberat war einstimmig. Wir waren alle der Meinung: Das müssen Werber aushalten! Gerade und besonders jene Werber, die Ironie so hochhalten und in ihrem Awardzirkus so gern auszeichnen und die oft Ironie dazu verwenden Andere an zu pinkeln.
Leider scheint aber die Selbstironie gerade für diese Werber ein Fremdwort zu sein. Und dazu hin sind das noch Werber in Hamburg, die immer gern das Bild des ehrbaren Hamburger Kaufmanns für sich in Anspruch nehmen, und sich nun darüber echauffieren, dass im Plakat auch mal vom ehrlichen Arbeiter gesprochen wird.

Getroffene Hunde bellen

Mit der Ehrlichkeit scheint es bei den Branchengrößen nicht so weit her zu sein. Zumindest gibt es da ein bestimmtes Klischeebild über Werber, dem viele Werber zustimmen.

Haifischbecken

In den Kondolenzschreiben und Reden von befreundeten Werberkollegen zum Tod meines Mannes, der ein echter Herzblut- Werber war, fand sich übereinstimmend die Beschreibung für ihn: er war eine Ausnahmeerscheinung in dem Haifischbecken der Branche, er war ehrlich, herzlich, menschlich.
Auch bei der Laudatio zur Hall of Fame für den verstorbenen Stefan Kolle fielen die Worte: er war ein besonderer Unternehmer, der mit Anstand Geld verdienen wollte, kein oberflächlicher Verkäufer, ein ehrlicher menschlichen Werber, der Brücken baute und Mauern einriss.

Besonders pikant daran ist, dass diese Laudatio von FX Schmidt gehalten wurde, um dessen Agenturumzug in Hamburg es bei dem Fall geht und dessen führende Mitarbeiter auch unter denen sind, die lautstark nach Ächtung des Plakates schreien.

Pfauen, Gockel und Hahnenkämpfe

Es gibt so viele bescheidene Werber, die sich mit ehrlicher Arbeit ihr Geld hart erarbeiten, leider dominieren in der Presse und in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch die aufgeplusterten Gockel. Die auch noch so kleine Anlässe, wie dieses Plakat dazu nutzen, sich in den Vordergrund zu schieben und Pfauenräder zu schlagen. Und die liebend gerne Hahnenkämpfe veranstalten, bei denen dann manchmal leider selbst neutrale Beobachter beschädigt werden. Da fragt man sich dann doch, wo die noch Zeit für ehrliche Arbeit finden.

All zu Menschliches

Trotz aller Tieranalogien- Haie, Hunde, Hähne ist das Ganze ein sehr menschliches Thema - und ich wünschte wir hätten eine Institution, die Mitmenschen, das Gros der ehrlichen Arbeiter unter den Werbern, der wirklich ehrbaren Kaufleute vor solchen hochgejubelten Schau-Werbern und diese Schau-Werber vor sich selbst schützt.