Big Data – Fluch oder Segen

Uneingeschränkte Begeisterung auf der BMA

Unser Partner Jeff Winsper war bei der BMA 2014 Moderator einer Paneldiskussion zum Thema Big Data, die die Begeisterung dafür auf den Punkt brachte:
Konsumenten, Kunden und Unternehmen tragen alle zur datengetriebenen neuen Ökonomie bei. Das riesige Volumen von Daten, das mit den neuen technischen Möglichkeiten gesammelt und bearbeitet werden kann, führt zu noch nie zuvor erlebten Innovationen und Veränderungen. Marketingmanager sind nun in der beneidenswerten Position, dass sie Informationen erfassen und analysieren können wie nie zuvor. Die Panel-Teilnehmer, alles erfahrene Protagonisten von Big Data, legten ihre Visionen einer „new age marketing organisation“ dar.
Zwar wurde auch so nebenbei bemerkt, dass der Weg in diese neue Welt auch Risiken bergen könnte und dass es schon einiger Anstrengungen bedarf, um die Unsicherheiten, die in einem so fundamentalen Wandel liegen, zu beherrschen. Aber die Begeisterung für die neuen Innovationen war – typisch amerikanisch – so überwältigend, dass alle Bedenken hinweg gefegt wurden.

Mein Unbehagen

Anders als die amerikanischen Kollegen beschleicht mich bei dem Gedanken an die Möglichkeiten doch ein gewisses Unbehagen. Dieser kritische Blick bedeutet nicht Ablehnung des Fortschrittes, im Gegenteil die Möglichkeiten von Big und Smart Data begeistern mich, aber es sollte dazu führen, dass wir die jedem Fortschritt inhärenten Probleme schon soweit wie möglich identifizieren und so bearbeiten, dass sie den Fortschritt nicht behindern.

Auch in den USA kommen kritische Stimmen auf

Die Probleme von Big Data liegen eher nicht in der Technik, sondern in den sozialen Implikationen. Die Geschichte von den Eltern einer Minderjährigen, die durch das Anschreiben eines Unternehmens, das Produkte für Schwangere vertreibt, von der Schwangerschaft ihrer Tochter erfahren haben, mag ja noch gesellschaftlich positiv interpretiert werden, aber die Geschichte von den extremen Anstrengungen, die eine Ivy-League-Professorin unternehmen musste, um ihre Schwangerschaft geheim zu halten, ist schon beängstigend. Weil Datenanalysten aus den Kreditzahlungen für Babybetten, die für Pamper & Co-Anbieter so wertvollen Adressen von Schwangeren ziehen, hat die Soziologieprofessorin in ihrem wissenschaftlichen Selbstversuch nicht nur alle Nachrichten über ihre Schwangerschaft aus allen sozialen Medien verbannt, sondern auch nur noch bar bezahlt. In der amerikanischen Welt macht man sich damit sofort der Armut, Kriminalität und Geldwäsche verdächtig (http://mashable.com/2014/04/26/big-data-pregnancy).

Sie überlegte auch, ob es überhaupt noch möglich ist, sich aus der Welt der sozialen Medien herauszuhalten und die Weiterverarbeitung privater Daten zu verhindern bzw. im eigenen Interesse zu steuern. Ein Facebook Data-Analyst verneinte das auf der Konferenz, auf der sie ihr Experiment vortrug.
„Big Data is not only watching you“ sondern steuert auch unser soziales Leben in Zukunft. Da sollten wir uns schon fragen, wollen wir das in dieser extremen Form und was können wir tun, um die eigene Hoheit über unsere privaten Daten zu bewahren.